Innenarchitektur
“Ja, das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; […]“ (Kurt Tucholsky; Deutscher Schriftsteller, 1890 – 1935)
Diese vielzitierte Äußerung des bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik veranschaulicht auch heute noch das Grunddilemma jedes Hausbesitzers (und damit auch vieler Innenarchitekten angesichts der an sie gestellten Arbeitsanforderungen): Wenn es also kraft räumlicher Gegebenheiten unmöglich ist, dass man sich die direkte Umgebung oder den Garten seiner Heimstatt so wie oben beschrieben gestalten kann, wie geht man dann mit dem Interior, also dem Inneren um, welches sich ja weitestgehend und bis auf einige bauliche Einschränkungen nach der freien Kreativität und Vorstellung seines Besitzers richten kann?
Es ist nicht ganz einfach eine allgemeingültige Definition für Innenarchitektur anzuführen, zu umfangreich sind die Tätigkeitsfelder und potentiellen Aufgaben, welche von Innenarchitekten verlangt und auch bewältigt werden, angefangen von der Wahl der „richtigen“ Farbe der „richtigen“ Tapete bis hin zur Planung und Realisierung von aufwändigen Beleuchtungs- und Dekorationssystemen müssen sie vor allem vielseitig sein, und natürlich eine gute räumliche Imagination haben, welche gerade auch ungenau verbalisierte Kundenwünsche stimmig in eigene Konzepte und Arbeitsweisen einbauen und realisieren kann.
Diese Prämisse des Kundenwunsches und der damit einhergehenden relativ weitreichenden Dienstleistungsorientierung unterscheidet somit auch den Innenarchitekten vom Designer und Künstler, wobei dies eher für den deutschen Sprachraum gilt, im Englischen heißt der Beruf eben genauso, nämlich „Interior Designer“. Laut der auf wikipedia zu findenden Definition, nach der man unter Innenarchitektur die Planung und Gestaltung von Innenräumen mit dem Ziel versteht, das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden der Menschen in den Räumen zu gewährleisten, und nach der Innenarchitektur technisch-konstruktive Aspekte ebenso wie ästhetisch-künstlerische Belange umfasst, sind die diesbezüglichen Aufgaben natürlich sehr umfangreich.
Es gab und gibt selbstredend zu viele ästhetisch wie auch praktisch definierte und orientierte historische wie auch aktuelle Richtungen in der Innenarchitektur, als dass man sie hier an dieser Stelle umfassend schildern könnte, exemplarisch seien aber z.B. die sehr einflussreiche Gestaltungs- und Designschule des Jugendstils/Art Nouveau (Jahrhundertwende 1900), des Bauhauses (ab 1919 – 1933, mit darauf basierenden Weiterentwicklungen), des Art Déco (ca. 1920 – 1940), des Industrial Designs ( ab/um ca. 1930) sowie der Postmoderne (ab ca. 1980) genannt. Seit den 1990er Jahren finden auch zunehmend fernöstliche Traditionen und Denkschulen der Innenarchitektur wie das mittlerweile recht bekannte „Feng-Shui“ (Berücksichtigung von natürlichen Energieflüssen bei der Raumgestaltung) Eingang in die Planung und Konstruktion westlicher Wohn- und Gewerbegebäude.