Namen

Mehr als nur „Schall und Rauch“

„Ein guter Name geht in Augenblicken verloren; ein schlechter wird in Jahren nicht zu einem guten.” Jeremias Gotthelf (1797-1854), eigentlich Albert Bitzius, Schweizer Erzähler

Diese Umkehrung des weitverbreiteten Sprichwortes, nach dem es sich gänzlich ungeniert lebe, so denn der Ruf erst ruiniert sei, beleuchtet bereits trefflich die über das rein Unterscheidende weit hinausgehende Bedeutung von menschlichen Namen. „Mit seinem guten Namen zahlen“ als feststehender Begriff ist ein weiterer Hinweis auf die Funktion von Namen, die sich  – je nach individuellem Lebensweg und Schicksal – im Laufe einer irdischen Existenz unweigerlich und nahezu unauflösbar mit persönlichen Eigenschaften und dem von anderen empfundenen Grundcharakter des Namensträgers verbinden.

Während es also unter volkstümlichen oder folkloristischen Gesichtspunkten betrachtet kaum Zweifel an dem Ursprung, der tieferen Bedeutung und dem Sinn von Vor-, Nach-, Spitz- und auch Ortsnamen gibt, existieren in der wissenschaftlichen Namenforschung, der Onomastik als Teilgebiet der Sprachforschung, durchaus sehr konträre Auffassungen über die Rolle(n) und die Sinnhaftigkeit(en) von Namen, speziell wenn es dabei um historische und politische Schlussfolgerungen geht, die evtl. manipulativ missbraucht werden können.

Gerade in Deutschland wurde historisch betrachtet mit der Namenforschung bzw. Klassifikation bestimmter Namen erheblich „Schindluder“ betrieben. Der Rassenwahn der Nationalsozialisten hat mit seiner irrsinnigen Unterscheidung in „arische“ bzw. „unarische“ Namen und damit angeblich untrennbar verbundener Charaktereigenschaften weitaus größeren Verbrechen Vorschub geleistet, weshalb man sich unabhängig von sehr detaillierten Erkenntnissen der Namenforschung auch immer verallgegenwärtigen sollte, dass der Name eines Menschen mitunter ganz anderen Gründen entspringt, als es die reine etymologische Bedeutung vermuten lässt.

Als einer der wenigen und wohl auch als der bekannteste Namensforscher Deutschlands warnt deshalb  Prof. Dr. Jürgen Udolph, bekannt geworden durch viele verschiedene Auftritte in den Medien und durch eine Call-in-show zu Namensfragen im Berliner Rundfunk, davor, voreilige Schlüsse aus dem Klang und dem vermeintlichen Ursprung (nicht nur des eigenen) Nachnamens zu ziehen.