Reisebüro

Ersetzt das Internet langfristig das Reisebüro?

War man vor weniger als 20 Jahren bei der Wahl und Einschätzung seines Reiseziels noch mehr oder weniger alleinig auf die (oft veralteten) Informationen aus entsprechenden Reiseführern und die (nicht immer ganz selbstlosen) Empfehlungen seitens des konsultierten Reisebüros angewiesen, existiert heutzutage mit dem Internet als prinzipiell immer und überall erreichbarem Informations- und Kommunikationsmedium für jeden interessierten Reisenden die Möglichkeit, sich mit nahezu unbegrenzten und äußerst detaillierten Informationen über potentielle Reiseziele bequem von zuhause zu versorgen.

Bereits 62% der Deutschen haben sich bislang laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens „Trendscope“ bei ihren Urlaubsentscheidungen von den von anderen Urlaubern im Internet veröffentlichten Beurteilungen beeinflussen lassen, Reiseforen, Urlaubs oder Wellness Blogs, in denen Privatpersonen weitestgehend unabhängig von ihren ganz individuellen Erfahrungen an bestimmten Destinationen berichten, erfreuen sich steigender Beliebtheit, und werden immer öfter als Entscheidungshilfe bei der Selektion des eigenen Urlaubsziels herangezogen.

Diese relativ neu entstandene Informationsvielfalt, die dem eine Reise planenden Kunden eine schier unüberschaubare Masse an Empfehlungen, Kritiken, Lob und Tadel zur Verfügung stellt, hat aber natürlich auch eine Schattenseite: Durch die technisch bedingte und somit zwangsläufige Anonymität der teilnehmenden Internetnutzung ist es oftmals nicht ersichtlich, ob es sich bei dem Erfahrungsbericht über eine bestimmten Region  tatsächlich um die wirklich selbst gemachte Reise eines anderen Urlaubers handelt, oder ob sich bei dem betreffenden Beitrag nicht auch um eine geschickte Marketingmaßnahme seitens interessierter Reiseveranstalter handeln kann, die sich den verstärkten Trend zur Informationssuche im Internet bereits gezielt durch die Streuung entsprechender Berichte in den einschlägigen Foren und Portalen für ihre kommerziellen Zwecke nutzbar machen.

Grundsätzlich erscheinen aber die neugewonnenen Informationsmöglichkeiten des Internets zu Reisezielen trotz dieser Instrumentalisierungs- und Manipulationsversuche doch eher als großer Fortschritt hinsichtlich der Kunden-Souveränität, denn irreführende, schlichtweg falsche und auch einfach zu hochtrabende Angaben der Veranstalter zu ihren Angeboten können sehr viel schneller als solche entlarvt werden, und analog zu anderen Bereichen der wirtschaftlichen Netznutzung gilt auch für die Reisebranche, dass ein einmal erfolgter und durch die Kunden enttarnter Imageverlust sehr viel schwerer wettzumachen ist, als dies noch zu Zeiten des ausschließlich auf Papier gedruckten Reisekatalogs der Fall war.

Ob man sich also nun für eine Fernreise auf andere Kontinente begeistert, einen Tauchurlaub in exotischen Gewässern plant, oder auch einen Wander- und Radurlaub rund um einen Deutschlandurlaub bevorzugt – mit ein paar Klicks kann man sich Videos, Fotos, Karten und Texte zugänglich machen, und somit die ersehnte Reise schon lange vor ihrem Antritt genau vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen lassen.